Wiesloch, 30. September 2026 – Die BAföG-Wohnkostenpauschale reicht für eine studentische Musterwohnung fast nirgends mehr aus: Mit den derzeit geltenden 380 Euro lässt sich die kalkulierte Warmmiete einer 30-Quadratmeter-Wohnung aktuell lediglich in Chemnitz vollständig decken. Denn trotz der zuletzt etwas geringeren Dynamik steigen die Mieten für studentisches Wohnen ausgehend von einem bereits hohen Niveau weiter. Das zeigt der MLP Studentenwohnreport 2026, den MLP gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in diesem Jahr zum achten Mal vorlegt. Demnach lagen die qualitätsbereinigten Mieten im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Untersucht wurden kleine Wohnungen, WG-Zimmer und möblierte Wohnungen auf Zeit an 38 Hochschulstandorten in Deutschland.
| „Die geringere Dynamik ist noch keine Trendwende. Bezahlbare kleine Wohnungen bleiben in vielen Hochschulstädten knapp“, sagt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Immobilienökonom am Institut der deutschen Wirtschaft. „Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie die daraus resultierenden rückläufigen Fertigstellungen bremsen den dringend benötigten Ausbau des Angebots. Zusätzliche Regulierung sollte deshalb sorgfältig daraufhin geprüft werden, ob sie Investitionen und Vermietung ungewollt weiter erschwert.“ |
Wie hoch die Mietkosten an den einzelnen Hochschulstandorten ausfallen und welch große regionale Unterschiede es hier gibt, zeigen die studentische Musterwohnung mit 30 Quadratmetern sowie ein hypothetisches WG-Zimmer mit 20 Quadratmetern. Ausgewiesen sind jeweils kalkulierte Warmmieten. Am teuersten ist auch in diesem Jahr die Musterwohnung in München mit rund 880 Euro monatlich, gefolgt von Berlin, Frankfurt und Köln sowie Hamburg und Heidelberg mit etwa 700 bis 720 Euro. Am günstigsten ist Chemnitz mit rund 280 Euro. Auch beim Muster-WG-Zimmer reicht die Spanne von rund 850 Euro in München bis rund 220 Euro in Chemnitz.
Mit der derzeit geltenden BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro lässt sich die Miete der studentischen 30-Quadratmeter-Musterwohnung lediglich in Chemnitz vollständig decken. Studierende mit eigener Haushaltsführung gaben 2025 laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich rund 54 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnen aus, mehr als doppelt so viel wie die Gesamtbevölkerung. 65 Prozent galten nach Eurostat-Definition als wohnkostenüberbelastet.
Kernstück des Reports ist der Studentenwohnpreisindex, der die qualitäts- und lagebereinigte Entwicklung öffentlich inserierter Neuvertragsmieten abbildet. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Mieten im Durchschnitt um 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Kleine Wohnungen verteuerten sich mit 3,5 Prozent am stärksten, WG-Angebote stiegen um 2,3 Prozent und möblierte Wohnungen auf Zeit um 2,0 Prozent. Über drei Jahre ergibt sich über alle drei Segmente hinweg eine durchschnittliche jährliche Steigerung um 4,0 Prozent.
Auch hier fällt die Entwicklung regional sehr unterschiedlich aus: Die höchsten Zuwächse in den letzten drei Jahren verzeichneten Hamburg und Saarbrücken mit jeweils 5,8 Prozent sowie Bochum mit 5,5 Prozent pro Jahr. Vereinzelte Rückgänge im vergangenen Jahr – unter anderem in den Metropolen Berlin, Frankfurt und Köln – sind vor dem Hintergrund des bereits hohen Preisniveaus, veränderter Angebotsstrukturen und kurzfristiger regionaler Sondereffekte einzuordnen. Punktuell gegenläufige Tendenzen ändern daher nichts am Gesamtbild: Insbesondere auf Dreijahressicht bleibt studentisches Wohnen deutlich teurer als noch vor wenigen Jahren.
Bei der Entwicklung des Wohnangebots für Studierende zeigt sich 2026 ein gemischtes Bild. An knapp der Hälfte der untersuchten Hochschulstandorte ist das öffentlich sichtbare Angebot in den studentischen Wohnsegmenten gestiegen. Besonders deutlich legten die Angebote in Regensburg, Saarbrücken, Münster, Darmstadt und Bochum zu. Zugleich verzeichnen andere Standorte, darunter Dresden, Rostock sowie Metropolen wie Frankfurt, Berlin, Hamburg und Düsseldorf, spürbare Rückgänge. Insgesamt haben vor allem WG-Angebote vielerorts zugenommen. Die Studienautoren weisen jedoch darauf hin, dass eine größere Zahl an Inseraten nicht automatisch mehr bezahlbaren oder leichter zugänglichen Wohnraum bedeutet.
Erstmals untersucht der MLP Studentenwohnreport zudem die Bautätigkeit an den Hochschulstandorten. Zwar wird an nachfragestarken Hochschulstandorten weiterhin überdurchschnittlich viel gebaut, vielerorts reicht dies jedoch trotzdem nicht aus, um die bestehende Wohnraumknappheit abzubauen. Gleichzeitig hat die Bautätigkeit in den letzten Jahren an rund zwei Dritteln der untersuchten Standorte nachgelassen – mitunter auch deutlich. Die Folgen der seit 2022 eingebrochenen Baugenehmigungen werden somit zunehmend sichtbar. Es spricht vieles dafür, dass das Wohnungsangebot auch künftig nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann.
Neben kleinen Wohnungen und WG-Zimmern gewinnen möblierte Wohnungen auf Zeit an Bedeutung, insbesondere bei kurzfristigem Wohnbedarf oder für Studierende, die beispielsweise aus dem Ausland neu an einen Hochschulstandort ziehen. Vorübergehende demografische Effekte wie die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium können die Nachfrage regional zeitweise abschwächen, ändern aber nichts an der strukturellen Wohnraumknappheit. Die diesjährige Sonderauswertung zeigt zudem, dass nach einem vorübergehenden leichten Rückgang die Studierendenzahlen wieder weiter ansteigen und bis 2040 über dem heutigen Niveau liegen. Für viele Hochschulstandorte bedeutet dies, dass auch der Druck auf die Wohnungsmärkte perspektivisch wieder zunimmt. Mögliche Entlastungen dürften daher oftmals nur vorübergehender Natur sein. Die aktuelle Entwicklung stellt damit ein Zeitfenster zum Handeln dar.
| „Wenn Studierende ihren Studienort zunehmend nach bezahlbarem Wohnraum statt nach den besten fachlichen Perspektiven auswählen müssen, wird das zum Problem für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland“, betont Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender von MLP. „Unser Land ist auf gut ausgebildete, eigenständige und innovative junge Menschen angewiesen. Hohe Wohnkosten dürfen nicht darüber entscheiden, welche Bildungswege jungen Menschen offenstehen.“ |
Der MLP Studentenwohnreport wird seit 2019 jährlich gemeinsam von MLP und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) herausgegeben. Die Untersuchung erfasst die Mietentwicklung auf Grundlage von Angebotsdaten an 38 Hochschulstandorten in Deutschland. Kernstück ist der Studentenwohnpreisindex, der die qualitätsbereinigte Mietentwicklung abbildet. Ergänzt wird der Bericht durch Berechnungen zu einer Musterwohnung, Analysen zu Studierendenzahlen und Wohnungsangeboten sowie ein jährliches Sonderkapitel, das sich in diesem Jahr der prognostizierten demografischen Entwicklung der Studierenden widmet. Der Finanzdienstleister MLP berät viele seiner Kundinnen und Kunden bereits im oder kurz nach dem Studium. Diese Erfahrungen sind genau wie die hauseigene Expertise in der Standortanalyse bei Immobilien in den Report eingeflossen. Die analysierten Daten werden von der Value AG bereitgestellt.
Der gesamte Report (PDF), Schaubilder und weiterführende Materialien finden sich unter www.mlp-studentenwohnreport.de .
Hypothetische Mietkosten für eine studentische Musterwohnung (30 Quadratmeter) und ein Muster-WG-Zimmer (20 Quadratmeter) sowie die Preisentwicklung im vergangenen Jahr („Studentenwohnpreisindex“)
| Stadt | Mietkosten für eine Musterwohnung 2026 in Euro | Mietkosten für ein WG-Zimmer 2026 in Euro | Studentenwohnpreisindex 2026 |
|---|---|---|---|
| München | 882 | 849 | 1,8 % |
| Berlin | 725 | 659 | -4,7 % |
| Frankfurt | 721 | 674 | -0,2 % |
| Köln | 714 | 672 | -0,8 % |
| Hamburg | 700 | 736 | 4,2 % |
| Heidelberg | 697 | 685 | 2,1 % |
| Münster | 663 | 606 | 3,1 % |
| Freiburg | 643 | 609 | 2,6 % |
| Würzburg | 620 | 548 | 3,2 % |
| Düsseldorf | 613 | 563 | 1,0 % |
| Stuttgart | 611 | 559 | -0,4 % |
| Darmstadt | 599 | 492 | 3,6 % |
| Konstanz | 598 | 559 | 1,4 % |
| Karlsruhe | 597 | 548 | 4,4 % |
| Mainz | 585 | 508 | 4,4 % |
| Regensburg | 584 | 512 | 3,0 % |
| Bonn | 582 | 514 | 6,1 % |
| Ulm | 578 | 528 | 6,7 % |
| Aachen | 574 | 526 | 4,7 % |
| Bremen | 556 | 521 | 5,7 % |
| Nürnberg | 556 | 509 | 2,8 % |
| Mannheim | 550 | 494 | 2,3 % |
| Tübingen | 538 | 466 | 3,9 % |
| Dresden | 538 | 463 | 4,3 % |
| Trier | 536 | 421 | 4,7 % |
| Oldenburg | 530 | 463 | 4,9 % |
| Göttingen | 519 | 419 | 3,0 % |
| Jena | 507 | 465 | 0,6 % |
| Hannover | 505 | 461 | 4,7 % |
| Saarbrücken | 505 | 455 | 2,1 % |
| Bielefeld | 504 | 427 | 2,9 % |
| Rostock | 476 | 450 | 3,1 % |
| Kiel | 474 | 404 | 4,2 % |
| Leipzig | 454 | 444 | -2,2 % |
| Bochum | 448 | 386 | 6,5 % |
| Greifswald | 405 | 340 | 2,2 % |
| Magdeburg | 393 | 336 | 5,9 % |
| Chemnitz | 277 | 222 | 2,1 % |
| Durchschnitt | 567 | 513 | 2,6 % |
Die qualitätsbereinigten Mieten für studentisches Wohnen sind im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum durchschnittlich um 2,6 Prozent gestiegen. Besonders stark verteuerten sich kleine Wohnungen unter 40 Quadratmetern mit einem Plus von 3,5 Prozent. Die geringere Dynamik gegenüber den Vorjahren bedeutet wegen des bereits hohen Preisniveaus noch keine dauerhafte Entspannung.
Im Vergleich der studentischen Musterwohnungen ist München der teuerste der 38 untersuchten Standorte. Die kalkulierte Warmmiete einer 30-Quadratmeter-Musterwohnung beträgt dort rund 880 Euro, für ein Muster-WG-Zimmer rund 850 Euro. Die niedrigsten Vergleichswerte weist Chemnitz mit rund 280 beziehungsweise 220 Euro auf.
Die aktuell geltende BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro deckt die kalkulierte Warmmiete der 30-Quadratmeter-Musterwohnung lediglich in Chemnitz. Selbst bei ausschließlicher Betrachtung der Kaltmiete reicht der Betrag nur an sieben der 38 untersuchten Hochschulstandorte aus.
Wenn Studierende einen großen Teil ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden müssen, können ihnen finanzielle und zeitliche Spielräume im Studienalltag fehlen. Wohnkosten können zudem bei der Wahl des Studiengangs, der Hochschule oder des Standorts eine Rolle spielen. Bezahlbarer Wohnraum ist damit ein Bestandteil der Infrastruktur leistungsfähiger Hochschul- und Innovationsstandorte.